Lothringer Entdeckungen

Neue Bücher aus der Region: Ein Reisebuch zu Lothringen und ein Satirenband

Von Von SZ-RedakteurOliver Schwambach

Lothringer Entdeckungen

Im Saarland und bei unseren Nachbarn erscheinen immer wieder bemerkenswerte Bücher. In loser Folge stellen wir solche Bände vor. Heute: ein Reisebuch zu Lothringen und ein Satirenband. Zwei unterschiedliche Werke zweier Autoren, die aber manches verbindet: Beide sind Jahrgang 1935 – und Klaus Bernarding wie auch Alfons Klein verknüpfen Geistreiches mit der Kunst zu unterhalten. (Veröffentlicht am 01.03.2014)

Saarbrücken. Seine „Lothringer Passagen“ sind quasi Pflichtlektüre, soll die Fahrt zu den Nachbarn mehr als bloß Großeinkauf im Cora und Essengehen beim Woll sein: Klaus Bernarding ist wohl einer der profundesten Lothringenkenner des Saarlandes. Und keiner schreibt so warmherzig über jenen Landstrich, der nicht zu Frankreichs ersten Adressen zählt. In vielerlei Hinsicht aber zu Unrecht. Sein neuer Reiseband „Lothringer Kostbarkeiten“ (Conte, 280 Seiten, 19,90 Euro) jedenfalls ist ein unwiderstehliches Allez-Signal, Lothringen zu entdecken – keinesfalls im Geschwindschritt, sondern mit der Muße des Flaneurs.

Die im Titel annoncierten „Kostbarkeiten“ könnten freilich irritieren, ist der aus Schmelz stammende Schriftsteller doch nicht allein an den augenfälligen Attraktivitäten interessiert wie etwa Nancys Prachtadresse, der Place Stanislas. Gewiss, auch der widmet Bernarding eines der 15 Kapitel. Aber er nimmt seine Leser auch mit zu den Festungsanlagen der Maginot-Linie, tief hinunter in ihre Bunker oder zum Denkmal in Bagneole-Bulgnéville, wo man an einem Ort vereint der Gefallenen des Ersten Weltkriegs, den Kämpfern der Résistance aber auch der Soldaten, die in Algerien zwischen 1954 und 1962 ihr Leben ließen, gedenkt. Bemerkenswert schon darum, weil Frankreich sich im Umgang mit dem Algerien-Krieg heute noch schwer tut.

Für Bernarding sind solche Ortsmarken aber lediglich Startpunkte: Fakten, Historie, Literatur, Philosophie, alles, was sich um einen solchen Ort rankt, nimmt er auf, spielt damit und macht sich seine Gedanken dazu. Stets lesenswert, oft auch mit erfrischenden Einsichten zu Lothringen und Frankreich. Gelegentlich will Bernarding wohl aber zu sehr Schriftsteller sein und vernachlässigt sein Amt als Reiseführer. Dann blühen die Arabesken, die er um seine „Kostbarkeiten“ windet, üppig und wuchern auch mal undurchdringlich.

Schwerpunkt

Lothringen zwischen Buchdeckeln

Ein Spazierung durch die Bibliothek

Lothringen

  • Klaus Bernarding: Mein Freund Georges. Begegnungen in Frankreich. Saarbrücken: Gollenstein, 2004. 262 S.19,90€
  • Lothringen Passagen. 21 Tagesreisen durch Ostfrankreich. Saarbrücken: Conte, 2007. 372 S. 19,90€
  • Lothringen Pasagen 2: Zwischen Mosel, Maas und Marne. 21 weitere Tagesreisen in Ostfrankreich. Saarbrücken: Conte, 2009. 336 S. 19,90€
  • Macadam: vom kleinen Grenzverkehr mit den Nachbarn im Westen Saarbrücken: Conte, 2011. 159 S. 14,90€

In mehreren Büchern nacheinnader hat der Saarbrücker Autor Klaus Bernarding seine Wahlheimat Lothringen in den Mittelpunkt gestellt. Der Rezensen hat nachgefragt.

OPUS: Im letzten Jahrzehn haben Sie vier Büchern geschrieben, die mit Lothringen zu tun haben. Ist das schon so etwas wie eine Obsession?
K.B. Nein, keine Obsession, sondern vor langer Zeit erworbene Klarheit, verbunden mit Aufklärung, da ich ja auch für Institute Fahrten entwerfe und durchführte.

Nun haben Sie ja schon beinahe jede größere lothringische Straße befahren, und viele kleinere dazu. Was reizt Sie, immer weiter zu fahren und zu suchen?
Alles Befahren fing an mit Fred Oberhauser vom Saarländischen RUndfunk, Anfang der 70er Jahre, und ist bis heute so geblieben: Autobahnen wie die A4 oder A31, Routes nationales wie die N3, Routes départementales wie die D904, dazu Wege, Seitenwege, Umwege. Das Befahren endet wiederum mit Erfahrung, den Erfahrugen und deren Niederscriften.

Im ersten Passagen-Band taucht an einigen Stellen der alte Begrif “Erbfeind” auf. Sind solche Reminiszenzen in Lothringen noch virulent? Und hierzulande?
Der Begrif Erbfeind ist ein historischer Begriff, nicht zu verwechseln mit erzfeind. Eher war, in der Gesamtsicht, England der Erzfeind Frankreichs, siehe Hundertjähriger Krieg, Napoleon.Das geteilte Lothringen hat damit wenig zu tun. Es übt nach wie vor eine Brückenfunktion aus. Leider hat sich aktuell, kräftig von den Massmedien unterstüzt, die vielbeschworene Deutsch-Französiche Freundschaft ausgehölt. Es ist eine beiderseitige Rückkehr zum Nationalen zu beobachten.Aber die Amtié franco-allemande wird sich, glube ich, in anderen Formen und unter anderren Bedingungen erneuern.

In der Erzählung “Macadam” im gleichnamigen Band (S. 98) heißt es: “Passiert / Die Grenze war/ Mitgefahren / In mir: “Welche Grenze ist hier gemeint? Gibt es um Sprache Mentalität oder sonst etwas?”
Ich bin 1935 gebohren, also vor dem Zweiten Weltkrig in die hitlerische Propaganda hineingewachsen, um nach 1945 mühsam zu erlernen, was im Französischen “civilisation” heißt. Deshalb sind mir reale und ideale Grenze innerhalb der Grenzhafigkeit alles Daseinden, einschlißlisch des Menschlichen, sehr bewusst. So lebe ich mehr oder weniger mit und in beiden Sprachen und Kulturen. Und es hat mir bisher nicht geschadet.

Est Républicain, 18. Oktober 2012:

Visite allemande pour Jules Bastein-Lepage (mit Foto)

“La Fondation Démocratie de Sarre (Stiftung Demokratie Saarland), guidée par Klaus Bernarding, est venue en voisine visiter Damvillers et plus précisément se penche sur l’oeuvre de Jules Bastien-Lepage. Klaus est francophone et Annette Salzard est germanophone, expressément appelée en renfort pour l’occasion par Annette Cros, présidente de l’Office du tourisme de Damvillers…”

Républicain Lorrain, 17. Mai 2012:

Des Saarois en visite (mit Foto)

“Un groupe sarrois de la VHS, Volks/hoch/schule – Université populaire, de Völklingen a visité la région sous da conduite de Klaus Bernarding, historien et auteur de plusieurs ouvrages sur la Lorraine, figure bien connue des émissions culturelles prisées du grand public du Saarländischer Rundfunk…”
Bezugnehmend auf die Tagesfahrt nach Phalsbourg und Henridorff (Nord Vogesen) 

Standbilder aus einem Beitrag vom 14. Oktober 2011 des Saarländischen Rundfunks (SR3) anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2011.

Ich und Informationen zum Beitrag.
Im Interview.
Mein Buch "Macadam".
Wieder im Interview.
Mit Stefan Wirtz vom Conte Verlag.
Frau Wolfrum vom Conte Verlag mit einem Plakat von "Macadam".

Im Mai 2009 erschien ein Beitrag über mich: „Ein Literat in Malstatt, Klaus Bernarding, Jahrgang 1935“, in dem Buch zur Jahrhundertfeier der Großstadt Saarbrücken „Bürger, Brücken und Duelle“, Gräbner/Weszkalnys, Conte Verlag.

Am 14. August 2009 erschien im Est-Républicain (Ausgabe Verdun) ein Artikel über mich: „La Lorraine, en allemand“ (F-55210 Billy-sous-les-Côtes). Lesen Sie hier weitere Texte aus französischen Zeitungen zu “Lothringer Passagen”.

In der November-Ausgabe des „Vorwärts“ erschien als „Buchtipp zu Weihnachten“ (Saarland) ein Beitrag zu meinen Lothringen-Büchern: „Klaus Bernarding – Lothringer Passagen 2“.

Auf der Homepage des Conte Verlags sind zahlreiche Rezensionen zu “Lothringer Passagen” und weitere Pressestimmen zu “Lothringer Passagen 2” nachzulesen.